Das Pfadi-Virus hat hier erfolgreich gewirkt: Jogi und die Pfadi-Dynastie Meier

Wer vom Pfadi-Virus befallen ist, spielt eher im Freien als auf der Videokonsole. Anstelle des eigenen Social-Media-Profils werden Freundschaften gepflegt. Und die natürliche Umgebung ist nicht das Wohnzimmer, sondern der Wald. Das Pfadi-Virus ist ansteckend. Die Begeisterung für ausgefallene Abenteuer und Lagerfeuer-Romantik springt auf viele über, die schon einmal ein verregnetes Pfi-La erlebt und eine verkohlte Cervelat gegessen haben.

Besonders aktiv war das Virus in Jogis Familie. Jogi – mit bürgerlichem Namen Jörg Meier und bekannt für seine in der Aargauer Zeitung erscheinende Kolumne «Meiereien» – hat mit seiner Frau Kaa nicht weniger als fünf Kinder grossgezogen: Kiebitz, Makalu, Kompass, Globi und Findus. Unschwer zu erkennen: Alle Familienmitglieder tragen einen Pfadinamen.

Die Leidenschaft für die Pfadi überträgt sich bei Jogis Familie von Generation zu Generation. Auch seine Enkel sammeln bereits erste Pfadi-Erfahrungen.
Doch wie begann alles? Der Blick reicht zurück bis ins Jahr 1946. Aus Dankbarkeit, dass die Schweiz in den Kriegsjahren vom grossen Leid verschont blieb, nahmen Wohler Pfadis im Sommer 1946 für drei Monate kriegsgeschädigte Kinder aus Österreich bei sich auf. Auf dem Schlösschen Altenburg bei Brugg kamen zum Abschluss alle zusammen, um ein paar unbeschwerte Tage gemeinsam zu verbringen. Bei zwei jungen Menschen gingen die zwischenmenschlichen Kontakte über das rein Organisatorische hinaus. Zwischen dem damaligen Abteilungsleiter Funk und der Pfadisli-Leiterin Jagi funkte es gehörig. Aus der Pfadi-Romanze wurde später eine Ehe, dann eine Familie mit vier Kindern: Spatz, Jogi, Zwirbel und Balu. Der Grundstein für eine Pfadi-Dynastie war gelegt.

Schlösschen Altenburg, im Sommer 1946. Hier begann die Geschichte der Pfadfamilie Meier. Hier lernte Jagi (auf dem Foto oben) den Wohler AL Funk kennen. Es funkte zwischen den beiden - und inzwischen ist bereits die vierte Generation der Meiers in der Pfadi aktiv.
Schlösschen Altenburg, im Sommer 1946. Hier begann die Geschichte der Pfadfamilie Meier. Hier lernte Jagi (auf dem Foto oben) den Wohler AL Funk kennen. Es funkte zwischen den beiden – und inzwischen ist bereits die vierte Generation der Meiers in der Pfadi aktiv.

Jogi hat also nur weitergeführt, was seine Eltern begonnen haben. Doch gleich sämtliche Kinder in der Pfadi (fünf an der Zahl!), wurde da nicht sanft nachgeholfen oder wenigstens subtil beeinflusst? «Ich hoffe nicht», antwortet Jogi. Seine Kinder konnten kaum den Zeitpunkt abwarten, bis auch sie in die Pfadi durften. Ihnen blieb nicht verborgen, was Pfadi-Freundschaften bedeuten und dass sie ein Leben lang halten. Die vielen gemeinsamen Unternehmungen schweissten zusammen.

Unvergesslich bleibt Jogi das Sommerlager 1977. Damals tourten die Pfader während zwei Wochen als Varieté Taschapamuski durch das Berner Oberland. Dabei entdeckten einige der Buben ihr verborgenes Talent und wurden später Musiker und Kabarettist (Juno, Philipp Galizia; Globi, Michael Bischof; Filou, Christoph Hegi) oder Schauspieler und Regisseur (Pilz, Hannes Leo Meier). Vor und hinter der Bühne lernten die jungen Pfadis originelle Ideen zu entwickeln und Verantwortung zu tragen – eine Schule fürs Leben.

In lebendiger Erinnerung bleibt Jogi auch die abenteuerliche Reise nach Irland an ein internationales Pfadi-Treffen. Im vollgestopften Car machten sie sich mit 50 Teilnehmern auf den Weg und erreichten auf die letzte Minute ihr Ziel.

Auf der Heimfahrt vom internationalen Pfaditreffen in Inistioge (Irland) im Sommer 1978: 50 Wohler Pfader in einem Car, samt Gepäck.

Getragen wird Pfadi von Traditionen. Alle vier bis fünf Jahre veranstaltete die Pfadi Wohle zu jener Zeit einen Unterhaltungsabend, der im Casino stattfand. Der erfolgreiche Abschluss und die lobenden Berichte in der Zeitung erfüllten die Jungen mit grossem Stolz auf das gemeinsame Erreichte.

Unterhaltungsabend 1975: Auftritt der Rotte Chianti

Und was hält Jogi vom neuen Pfadiheim, das am Entstehen ist? Er schaut sich die Broschüre zum Projekt an und zeigt auf die letzte Seite. Die vielen lachenden Gesichter der Kinder und Jugendlichen auf dem Bild erinnern ihn an seine Pfadi-Zeit. «Wir sind es diesen Kindern und Jugendlichen schuldig, dass auch sie Pfadi erleben können», sagt er.
Sein Vater Funk half vor 60 Jahren tatkräftig mit, das Pfaderheim am Tanneggweg zu errichten. Die Geschichte geht weiter und die Pfadi ist in Wohlen lebendiger denn je.   Vielleicht wird auch das Pfadi-Virus in Jogis Familie noch weiterwirken. Vielleicht nochmals achtzig Jahre oder noch länger. Wer weiss das schon.

Mova 2022 in Goms mit allen Teilnehmern der Pfadi Wohle


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