
Frosch und Pfadi Wohle gehören zusammen wie das Lagerfeuer zur Nachtübung oder das Regenwetter zum Pfila. Er hat zwar auch einen bürgerlichen Namen (Dani Burg), aber eigentlich kennen ihn alle nur unter seinem Pfadinamen. Dabei ist sein Name Programm. Richtig wohl fühlt er sich in der Natur, immer in Bewegung und aktiv mit Gleichgesinnten.
Seine Berufung und sein Beruf ist die Pädagogik in all ihren Facetten. Er war Lehrer, Internatsleiter, Schulleiter, Kursleiter und Coach. Nach seiner Überzeugung sollte sich die Lehrtätigkeit nicht nur auf das Schulzimmer und die Vermittlung des Schulstoffes beschränken. Ebenso wichtig sind die Arbeit in der Gruppe, das gemeinsame Planen und Umsetzen und was die moderne Pädagok Selbstwirksamkeit nennt. Damit wird das Vertrauen verstanden, durch eigenes Handeln Erfolge erzielen, Ziele erreichen und Herausforderung meistern zu können. Er hat Bücher zu den Themen Erlebnispädagogik, Arbeitstechnik und Schulentwicklung verfasst.
Auch nach seiner Pensionierung kann er nicht ganz loslassen. Im Auftrag der Schule organisiert er weiterhin Waldtage und Projekte für Schülerinnen und Schüler, die besondere Unterstützung brauchen. Mit Geduld, Einfühlungsvermögen und seiner unverwechselbaren Art schafft er es, diese jungen Menschen zu begeistern und ihnen Wege zu zeigen, auf denen sie Selbstvertrauen und Teamgeist entwickeln können.
Frosch führt seit letztem Herbst den Altpfadfinder-Vereins (APV). Durchschnittlich alle vier Monate organisiert er zusammen mit dem Vorstand Zusammenkünfte von alten und junggebliebenen Pfadis. Dabei wird beim Wolfsstein gebrätelt, im Berghüsli Fondue gegessen, im Chappelehof gekegelt und im neuen Pfadiheim der Übertritt von neuen Mitgliedern vollzogen.
Schon als Jugendlicher verwendete Frosch jede Minute, die ihm neben der Schule verblieb, zum Planen von Pfadi-Aktivitäten. Dabei hat er stets alles sauber dokumentiert. Fotos, Planunterlagen, Zeitungsartikel, Postkarten, Lagertagebücher und Notizen – jeder noch so kleine Schnipsel hat Frosch fein säuberlich aufbewahrt. Mit 16 begann er, ein Archiv anzulegen. Mit jedem Jahr wurde dieses grösser und grösser – bis der Platz dafür nicht mehr reichte. Vor 35 Jahren bot sich Frosch die Möglichkeit, das Projektteam für eine neue Siedlung am Drosselweg zu leiten. Damit ging ein Traum in Erfüllung. Er konnte eine Wohnung nach seinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Darin fand das Archiv den ihm gebührlichen Platz. So manche Stimmen behaupten, dass Frosch sich eigentlich eine Wohnung um das Archiv gebaut hat. Und tatsächlich: beim Eintreten in sein Zuhause fallen als erstes die Regale auf, die sich über zwei Stockwerke erstrecken.
Beeindruckend ist sein ausgeklügeltes Kategorisierungssystem. Innert 30 Sekunden findet er alle Dokumente und Gegenstände zu jedem x-beliebigen Stichwort – bis 50 Jahre zurück. Seine Sammlung umfasst 11’000 Dossiers. Nachfolgend nur drei Beispiele:
Stichwort: «Flosslager» à Ort im Archiv: O.1.8.1.R (O = Ordner, 1 = Format breit, 8 = 8. Ordner von diesem Typ, 1 = 1. Register, R = Buchstabe R innerhalb des Behälters)

Wieso nicht eine Woche mit einem selbstgebastelten Floss auf dem Hallwilersee verbringen? Frosch verfasste im Juni 1976 kurzerhand ein Gesuch an das zuständige Strassenverkehrsamt Aargau und liess dieses von den volljährigen (weil wenige Jahre älteren) Aufsichtspersonen Mowgli und Jogi unterschreiben. Und tatsächlich: wenige Wochen später und gerade noch rechtzeitig flatterte die Verfügung (mit Auflagen) ins Haus. Innerhalb weniger Tage wurde auch schon das Material gefunden: dürre Tannen als Rahmen, 10 grosse Fässer für den Auftrieb, ein gefällter Baum als Mast, ein grosses Tuch als Segel und Winkeleisen. Während einer Woche übernachtete die Roverrotte Pedalosine im Blachenzelt auf einem Floss und segelte tagsüber zwischen Booten und Schiffen auf dem Hallwilersee.
Stichwort: «Internationales Lager in Irland», «Reise» à Ort im Archiv: O.1.9.1.Sch

Für viele unvergesslich: das Sommerlager der Pfader 1978 in Irland. Schon die dreitägige Anreise im Car war abenteuerlich. Die Fähre für die Überfahrt wurde zwar verpasst, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Legendär war der Liveauftritt als Pfadichor im Radio. Über ein Münztelefon wurde in die Schweiz berichtet: alle wohlauf! Die informierte Mutter verfasste ein Bulletin, das auf dem Anschlagbrett die frohe Kunde verbreitete.
Stichwort: «Drachenflug» à Ort im Archiv: D.1.10

Dass Militär-Blachen fliegen und Personen tragen können, wurde eher zufällig entdeckt. Die Experimentierfreude und die Neugierde der Rover wurde dabei so richtig entfacht. 1976 waren sie eigentlich als Helfer für das Pfingstlager der Pfader auf dem Bözberg engagiert. Vom Ehrgeiz gepackt, liessen sie alles liegen und knüpften aus 35 Blachen ein riesiges Segeltuch zusammen. Am Ende wollten alle Drachenfliegen.
Wer Frosch besucht, könnte Stunden bei ihm verweilen. Und wir erinnern uns wieder daran, weshalb die Pfadi die schönste Zeit unseres Lebens war.

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